Ressourcen · Guide · August 2026

EU AI Act im Marketing: Welche Frist wann greift

Der EU AI Act hat keinen Stichtag, er hat fünf. Artikel 4 gilt seit Februar 2025, Artikel 50 seit August 2026, die maschinenlesbare Kennzeichnung und zwei neue Verbote folgen im Dezember 2026, die Hochrisiko Pflichten Ende 2027 und Mitte 2028. Dieser Guide ordnet die Termine, korrigiert die verbreitete Bußgeld Fehlinformation und bewertet 12 typische Marketing Anwendungen. Grundlage sind die Verordnung (EU) 2024/1689 und die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744, die am 27. Juli 2026 in Kraft getreten ist.

10 Quellen·21 Minuten·Redaktionsstand 2. August 2026
Kapitel 01

Die Fristenkaskade auf einen Blick

Die meiste Verwirrung um den EU AI Act entsteht dadurch, dass ein einzelnes Datum stellvertretend für die ganze Verordnung zitiert wird. Tatsächlich treten die Pflichten gestaffelt in Kraft, und die Digital-Omnibus-Verordnung hat diese Staffelung im Juli 2026 noch einmal verändert. Für Marketing sind die ersten drei Zeilen der folgenden Tabelle entscheidend, die letzten beiden betreffen fast nur Unternehmen mit Hochrisiko Anwendungen.

2. Feb 2025

gilt

Verbote nach Artikel 5, KI Kompetenzpflicht nach Artikel 4

Marketing Relevanz: Hoch

2. Aug 2025

gilt

Pflichten für Anbieter von Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck

Marketing Relevanz: Indirekt

2. Aug 2026

gilt

Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1, Beginn der nationalen Marktüberwachung

Marketing Relevanz: Hoch

2. Dez 2026

kommt

Maschinenlesbare Kennzeichnung nach Artikel 50 Absatz 2, zwei neue verbotene Praktiken

Marketing Relevanz: Hoch

2. Aug 2027

kommt

Nationale Regulierungssandboxen

Marketing Relevanz: Gering

2. Dez 2027

kommt

Eigenständige Hochrisiko-KI nach Anhang III

Marketing Relevanz: Gering

2. Aug 2028

kommt

Produktintegrierte Hochrisiko-KI nach Anhang I

Marketing Relevanz: Gering
Kapitel 02

Was seit dem 2. August 2026 gilt

Mit dem 2. August 2026 ist die 24 monatige Übergangsphase für die zentralen Pflichten der KI Verordnung abgelaufen. Zwei Dinge haben sich an diesem Tag geändert. Erstens sind die Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1 anwendbar geworden, also die Offenlegungspflichten bei Chatbots, Deepfakes und Emotionserkennung. Zweitens hat die nationale Marktüberwachung begonnen, womit der Sanktionsrahmen der Verordnung praktisch greifbar wird.

Was das nicht bedeutet: dass ab diesem Tag flächendeckend geprüft wird. Aufsichtsstrukturen werden in Deutschland gerade erst aufgebaut, und das nationale Durchführungsgesetz, das die Bundesnetzagentur förmlich benennt, war zum Redaktionsschluss dieses Guides noch nicht verabschiedet. Wer daraus ableitet, es passiere nichts, verwechselt den Zeitpunkt der ersten Prüfung mit dem Zeitpunkt der Pflichtentstehung. Die Pflicht besteht unabhängig davon, ob sie kontrolliert wird, und ein Verstoß bleibt ein Verstoß, auch wenn er später auffällt.

Für Marketing Teams ist die praktische Konsequenz überschaubar und konkret: Wer einen Chatbot mit KI Backend auf der Website betreibt, braucht einen erkennbaren Hinweis am Kontaktpunkt selbst. Ein Vermerk in der Datenschutzerklärung genügt nicht, weil er die datenschutzrechtliche Seite abdeckt und nicht die Transparenzpflicht des AI Act. Wer fotorealistische Darstellungen realer Personen erzeugt, braucht eine klare Kennzeichnung. Beides ist Handwerk, kein Rechtsgutachten.

Kapitel 03

Der 2. Dezember 2026 ist der nächste echte Termin

In der öffentlichen Debatte ist der August 2026 der Termin, über den geschrieben wird. Für Marketing ist der Dezember 2026 der wichtigere, weil dort die Pflicht greift, die tatsächlich in jeden Bild und Video Workflow eingreift.

Die maschinenlesbare Kennzeichnung nach Artikel 50 Absatz 2. Anbieter generativer Systeme müssen sicherstellen, dass ihre Ausgaben in einem maschinenlesbaren Format als künstlich erzeugt oder bearbeitet markiert sind. Die Digital-Omnibus-Verordnung hat den Anwendungsrahmen dieser Pflicht nach dem Zeitpunkt differenziert, zu dem ein System auf den Markt gekommen ist. Für Betreiber bedeutet das vor allem eines: Metadaten, die euer Werkzeug mitliefert, dürfen in eurer Produktionskette nicht verloren gehen. Genau das passiert in der Praxis ständig, weil Bildbearbeitung, Komprimierung und Content Management Systeme Metadaten routinemäßig entfernen.

Zwei neue verbotene Praktiken nach Artikel 5. Die Digital-Omnibus-Verordnung ergänzt die Verbotsliste um KI Systeme zur Erzeugung nicht einvernehmlicher intimer Abbildungen und um Systeme zur Erzeugung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern. Beide fallen in die höchste Sanktionsstufe mit bis zu 35 Millionen Euro. Für seriöses Marketing ist das keine Verhaltensänderung, aber es ist ein Signal dafür, wohin die Durchsetzung zielt: auf generative Bildverfahren.

Wer heute prüft, ob seine Bildpipeline Herkunftsmetadaten erhält, hat bis Dezember Zeit, das zu reparieren. Wer im November anfängt, prüft unter Zeitdruck. Der Aufwand für die Prüfung selbst liegt bei wenigen Stunden.

Kapitel 04

Was der Digital Omnibus wirklich geändert hat

Die Verordnung (EU) 2026/1744 wurde am 8. Juli 2026 verabschiedet, am 24. Juli im Amtsblatt der Europäischen Union verkündet und ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten. Sie ändert über 40 Artikel der KI Verordnung. Der Anlass war nüchtern: die harmonisierten technischen Normen, ohne die eine Konformitätsbewertung praktisch nicht durchführbar ist, lagen nicht rechtzeitig vor.

Fristen für Hochrisiko-KI verschoben. Eigenständige Systeme nach Anhang III greifen erst ab dem 2. Dezember 2027, produktintegrierte Systeme nach Anhang I ab dem 2. August 2028. Beides betrifft Marketing selten direkt, wohl aber angrenzende Bereiche wie KI gestützte Personalauswahl oder Kreditbewertung.

Der Hochrisikobegriff wurde enger gefasst. Systeme, die Anwender unterstützen, Abläufe automatisieren oder der Qualitätskontrolle dienen, gelten nur noch dann als hochriskant, wenn ihr Ausfall tatsächlich Risiken für Gesundheit oder Sicherheit verursachen kann. Eine Reihe zuvor erfasster Anwendungen fällt damit heraus.

Artikel 4 wurde neu gefasst, nicht gestrichen. Die ursprüngliche Formulierung verlangte, ein ausreichendes Maß an KI Kompetenz sicherzustellen. Das ist eine Ergebnispflicht. Die neue Fassung verlangt, die Entwicklung dieser Kompetenz zu fördern, ohne dass für jede einzelne Person ein bestimmtes Niveau garantiert werden muss. Die Pflicht besteht seit dem 2. Februar 2025 fort, der Nachweisdruck auf das Ergebnis einzelner Schulungen hat abgenommen. Der praktische Rat ändert sich dadurch kaum: Ein dokumentiertes, rollengerechtes Schulungskonzept bleibt der einfachste Weg, im Prüfungsfall auskunftsfähig zu sein, und es hat einen betrieblichen Wert unabhängig von der Rechtslage.

Das EU AI Office hat eigene Befugnisse bekommen. Ermittlung, Inspektion und Sanktionierung liegen nun auch dort, womit es faktisch selbst zur Marktüberwachungsbehörde wird. Für den DACH Mittelstand bleibt die nationale Behörde der erste Ansprechpartner, aber die frühere Faustregel, das AI Office sei ausschließlich für die großen Modellanbieter zuständig, gilt so nicht mehr.

Erleichterungen für Small Mid-Caps. Die bisher auf KMU beschränkten Privilegien, darunter vereinfachte technische Dokumentation und die angepassten Bußgeldobergrenzen nach Artikel 99 Absatz 6, wurden auf Unternehmen mit weniger als 750 Beschäftigten und weniger als 150 Millionen Euro Jahresumsatz oder weniger als 129 Millionen Euro Bilanzsumme ausgedehnt.

Was der Digital Omnibus nicht verschoben hat, sind die Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1. Aus der Schlagzeile, die EU habe die KI Regeln verschoben, folgt für Marketing und Kundenkommunikation kein Aufschub.

Kapitel 05

Die vier Transparenzpflichten nach Artikel 50

Artikel 50 der Verordnung 2024/1689 ist die für Marketing zentrale Norm. Sie definiert vier Transparenzpflichten mit jeweils unterschiedlichem Adressaten und unterschiedlichem Auslöser.

01

KI Interaktion mit Menschen

Wenn euer Chatbot, Voice Assistant oder Conversational Agent direkt mit Endkunden interagiert, müsst ihr klar und sichtbar darauf hinweisen, dass es sich um eine KI handelt. Ein Vermerk in der Datenschutzerklärung reicht nicht aus. Bewährt hat sich eine kurze Einblendung zu Beginn der Konversation plus eine permanente Markierung im Widget.

02

KI generierte Inhalte, maschinenlesbar

Anbieter generativer Modelle müssen sicherstellen, dass ihre Ausgaben maschinenlesbar als künstlich erzeugt markiert werden, etwa über C2PA Metadaten. Diese Pflicht trifft direkt die Anbieter. Als Betreiber müsst ihr darauf achten, dass diese Metadaten in eurer Verarbeitungskette nicht verloren gehen. Der differenzierte Anwendungsrahmen greift ab dem 2. Dezember 2026.

03

Deepfakes

KI generierte oder bearbeitete Bilder, Audios oder Videos, die täuschend echt reale Personen, Orte oder Ereignisse darstellen, müssen klar und sichtbar als KI generiert gekennzeichnet sein. Das gilt für jede Kampagne mit fotorealistischen KI Visuals. Klar synthetische Illustrationen sind ausgenommen.

04

Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung

Wenn ihr KI Werkzeuge einsetzt, die Emotionen von Nutzern analysieren oder Menschen biometrisch kategorisieren, müsst ihr die betroffenen Personen darüber informieren. Im klassischen Marketing selten relevant, bei Voice Bots und Videoanalyse aber schnell ein Thema.

Für die maschinenlesbare Kennzeichnung hat sich C2PA als Industriestandard etabliert, getragen unter anderem von Adobe, Microsoft, OpenAI, BBC und Sony. Wer Bilder über Adobe Firefly, Midjourney oder vergleichbare Werkzeuge erzeugt, hat die Metadaten häufig bereits eingebettet, ohne es zu wissen. Die eigentliche Arbeit besteht darin, sie in der weiteren Verarbeitung nicht zu verlieren.

Zur gestalterischen Umsetzung ein Hinweis, der oft untergeht: Eine peer reviewed Studie von Lindgaard und Kollegen aus 2006 an der Carleton University Ottawa zeigt, dass Nutzer bereits nach 50 Millisekunden ein stabiles ästhetisches Urteil über eine Website fällen. Gemessen wurde die wahrgenommene visuelle Attraktivität, nicht die Glaubwürdigkeit, die häufig fälschlich zitiert wird. Für die Praxis heißt das: Transparenzhinweise sollten sichtbar genug für die rechtliche Pflicht und gestalterisch integriert genug sein, um den ersten Eindruck nicht zu stören. Wer sich tiefer mit der Wirkung von Website Elementen beschäftigen will, findet die ausführliche Behandlung dieser Studie in unserem Webdesign Kosten Guide.

Kapitel 06

Die Bußgelder ehrlich erklärt

Fast jede Veröffentlichung zum EU AI Act zitiert die Maximalhöhe von 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Selten erwähnt wird, dass dieser Rahmen nach Artikel 99 Absatz 3 ausschließlich für Verstöße gegen Artikel 5 gilt, also gegen die verbotenen Praktiken. Die für Marketing relevanten Transparenzpflichten nach Artikel 50 sind in Absatz 4 Buchstabe g ausdrücklich der zweiten Stufe zugeordnet.

Artikel 5

35 Mio Euro

Verbotene KI Praktiken

oder 7% UmsatzSelten im Marketing

Artikel 50

15 Mio Euro

Transparenz Marketing

oder 3% UmsatzHauptrisiko Marketing

Sonstige

7,5 Mio Euro

Unrichtige Auskünfte

oder 1% UmsatzNebenrisiko

Die Umkehrregel für KMU ist der praktisch wichtigste Punkt dieser Tabelle. Für ein Unternehmen mit 10 Millionen Euro Jahresumsatz liegt die Obergrenze bei einem Verstoß gegen Artikel 50 nicht bei 15 Millionen Euro, sondern bei 3 Prozent des Umsatzes, also bei 300.000 Euro. Das ist immer noch erheblich, aber es ist eine andere Größenordnung als die Zahl, die durch die Schlagzeilen geht.

Kapitel 07

12 typische Marketing Anwendungen mit Compliance Bewertung

Hier sind die 12 KI Anwendungen, die wir bei DACH Mittelstandskunden am häufigsten sehen, jeweils mit Risikoeinstufung und konkreter Pflicht. Die Einstufungen berücksichtigen den durch die Digital-Omnibus-Verordnung enger gefassten Hochrisikobegriff. Diese Liste ersetzt keine individuelle Rechtsberatung, gibt aber eine belastbare Orientierung für die Mehrheit der Marketing Setups.

Chatbot auf Website

Begrenzt

Klar sichtbarer KI Hinweis am Widget und zu Beginn der Konversation. Datenschutzerklärung allein reicht nicht. Gilt seit 2. August 2026.

KI generierte Newsletter Texte

Minimal

Keine direkte Pflicht für Standard Marketing Texte. Bei Inhalten zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse: sichtbarer Hinweis erforderlich.

KI generierte Social Media Bilder

Begrenzt

Sichtbares Label am Content plus Erhalt der Herkunftsmetadaten in der Verarbeitungskette. Der differenzierte Rahmen für die maschinenlesbare Kennzeichnung greift ab 2. Dezember 2026.

Deepfake Werbung mit realen Personen

Begrenzt mit Auflagen

Klare Kennzeichnungspflicht, sehr hohes Reputationsrisiko. Vorab Rechteklärung mit der dargestellten Person, unabhängig vom AI Act.

KI Personalisierung im Newsletter

Minimal

Keine direkte AI Act Pflicht. Die Profiling Regeln der Datenschutz-Grundverordnung gelten parallel, inklusive Widerspruchsmöglichkeit.

KI Lead Scoring im B2B

Begrenzt

Relevant wird es, wenn das Scoring Auswirkungen auf konkrete natürliche Personen hat, etwa bei Kreditangeboten. Reines B2B Vertriebs Scoring bleibt in der Regel begrenztes Risiko.

KI Voice Bot für Telefonsupport

Begrenzt

Klarer Hinweis zu Beginn des Gesprächs. Ein Vermerk im Website Footer genügt nicht, weil der Hinweis am Kontaktpunkt selbst erfolgen muss.

KI Produktempfehlungen im Shop

Minimal

Standard Empfehlungen sind in der Regel minimales Risiko. Bei hyperpersonalisierten dynamischen Preisen kann die Einstufung steigen.

KI A/B Testing Optimierung

Minimal

Keine direkte AI Act Pflicht. Standard Performance Optimierung.

KI Übersetzung von Marketing Inhalten

Minimal

Keine direkte Kennzeichnungspflicht für Übersetzungen. Die inhaltliche Qualitätskontrolle bleibt eure Verantwortung.

KI generierte Marketing Videos

Begrenzt

Bei fotorealistischen Darstellungen Kennzeichnungspflicht analog zu Bildern. Bei klar animierten Erklärvideos deutlich geringere Anforderung.

KI Sentiment Analyse von Reviews

Minimal bis begrenzt

Sobald aus den Daten Profile einzelner Personen entstehen, greifen Transparenzpflicht und Datenschutzrecht. Bei aggregierter Analyse ohne Personenbezug minimal.

Kapitel 08

Anbieter oder Betreiber: Welche Rolle hat euer Unternehmen?

Der EU AI Act unterscheidet mehrere Rollen, von denen für mittelständische Marketing Teams in der Praxis zwei relevant sind: Anbieter (Provider) und Betreiber (Deployer). Die korrekte Einordnung entscheidet darüber, welche Pflichten euch treffen und wie umfangreich euer Setup sein muss.

Anbieter ist, wer ein KI System entwickelt oder entwickeln lässt und unter eigenem Namen oder eigener Marke auf den Markt bringt. Das sind OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft, aber auch europäische Anbieter wie Aleph Alpha oder DeepL. Die Anbieterpflichten sind umfangreich: technische Dokumentation, Konformitätsbewertung, Kennzeichnung bei Hochrisiko Systemen, Risikomanagement, Datenqualitätsanforderungen.

Betreiber ist, wer ein KI System unter eigener Verantwortung einsetzt. Das sind die meisten mittelständischen Unternehmen, die ChatGPT, Claude, Midjourney oder branchenspezifische Werkzeuge nutzen. Die Betreiberpflichten sind im Vergleich deutlich reduziert, aber nicht null. Was euch trifft: KI Kompetenz im Team nach Artikel 4, gültig seit Februar 2025, Transparenzpflichten gegenüber Nutzern nach Artikel 50, gültig seit August 2026, sowie bei Hochrisiko Anwendungen zusätzlich menschliche Aufsicht, Protokollaufbewahrung und Risikomanagement.

Wichtige Sonderregelung: Wenn ihr ein KI System wesentlich verändert, unter eigener Marke vertreibt oder einem anderen Verwendungszweck zuführt als vom Anbieter vorgesehen, werdet ihr selbst zum Anbieter. Ein Beispiel aus der Praxis: Ihr nehmt eine Modell API, baut daraus einen eigenen Kundenservice Bot mit eurem Logo und verkauft ihn als eigenes Produkt weiter. Damit wechselt ihr die Rolle, und es gelten die deutlich strengeren Anbieterpflichten.

Konkret heißt das: Die meisten mittelständischen Unternehmen sind ausschließlich Betreiber. Ihre Compliance besteht aus drei Bausteinen, nämlich KI Inventur, Risikoklassifizierung der eingesetzten Systeme und Umsetzung der Transparenzpflichten an den Touchpoints. Genau diese drei Bausteine bilden die Grundlage für das Setup, das wir im nächsten Kapitel beschreiben.

Kapitel 09

Was bei einem ALVÉRA AI Act Setup wirklich drin ist

Ein belastbares AI Act Setup für Marketing besteht aus sechs Komponenten, die aufeinander aufbauen. Wer eine Komponente überspringt, hat am Ende eine Dokumentation, die im Prüfungsfall nicht trägt.

01

KI Inventur

Systematische Erfassung aller KI Systeme im Unternehmen, inklusive eingebetteter Funktionen in Standardsoftware. Auch die Werkzeuge, die einzelne Mitarbeitende über private Zugänge nutzen, gehören erfasst, weil sie im Prüfungsfall dem Unternehmen zugerechnet werden.

02

Risikoklassifizierung

Jedes erfasste System wird nach den Kategorien der Verordnung eingestuft: verboten, hochriskant, begrenztes Risiko, minimales Risiko. Für jede Einstufung dokumentieren wir die Begründung, damit sie im Prüfungsfall belegbar ist. Der engere Hochrisikobegriff seit Juli 2026 wird dabei berücksichtigt.

03

Transparenz Setup

Umsetzung der Artikel 50 Pflichten an allen relevanten Touchpoints: KI Hinweis im Chat Widget, Kennzeichnung KI generierter Bilder, Hinweis im Newsletter, Anpassung der Datenschutzerklärung. Gestalterisch so eingebunden, dass die Conversion nicht leidet.

04

Metadaten Kette prüfen

Kontrolle, ob Herkunftsmetadaten aus generativen Werkzeugen die Verarbeitungskette überstehen, also Bildbearbeitung, Komprimierung und Content Management System. Vorbereitung auf den differenzierten Rahmen ab 2. Dezember 2026.

05

Schulungskonzept nach Artikel 4

Rollengerechtes Schulungskonzept für alle Mitarbeitenden, die KI Werkzeuge einsetzen. Inhalt: Grundverständnis der Verordnung, sichere Nutzung, typische Fallstricke wie personenbezogene Daten in Prompts. Seit der Neufassung von Artikel 4 ist keine Ergebnisgarantie mehr gefordert, ein dokumentiertes Konzept bleibt aber der einfachste Nachweis.

06

Dokumentation und Monitoring

Aufnahme der KI Verarbeitungen in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, Aufbau einer AI Act spezifischen Dokumentation, laufende Beobachtung neuer Werkzeuge im Unternehmen und regulatorischer Änderungen.

Der AI Act bestraft nicht den Einsatz von KI. Er bestraft, sie zu verschweigen.

Fast alles, was Marketing im Alltag mit KI macht, ist erlaubt und bleibt erlaubt. Was die Verordnung verlangt, ist Erkennbarkeit: dass ein Chatbot als Chatbot erkennbar ist und ein fotorealistisches Bild als erzeugt. Das ist keine Bedrohung des Handwerks, sondern eine Anforderung an seine Ehrlichkeit.

Einordnung des ALVÉRA Performance Solutions Teams
Kapitel 10

Was ein AI Act Setup bei ALVÉRA kostet

Die folgenden Spannen sind unsere eigene Kalkulation auf Basis des Aufwands, den wir in vergleichbaren Projekten tatsächlich haben. Wir stützen sie bewusst nicht auf fremde Branchenstudien, weil die verfügbaren Kostenstudien zum AI Act sich auf Hochrisiko Systeme und Konformitätsbewertungen beziehen und damit auf einen ganz anderen Aufwand. Wer bereits eine gepflegte Datenschutzdokumentation hat, liegt am unteren Ende der jeweiligen Spanne. Wer aus dem Stand startet, eher am oberen.

Tier 01

AI Act Audit

ab 2.500 €

Der Einstieg für Unternehmen, die wissen wollen, wo sie stehen. Innerhalb von zwei Wochen liefern wir eine vollständige Lückenanalyse.

  • KI Inventur über alle Abteilungen
  • Risikoklassifizierung jedes Systems
  • Lückenanalyse mit Priorisierung
  • Handlungsempfehlung mit Aufwandsschätzung
  • Dokumentierte Begründung je Einstufung
Am häufigsten gewählt
Tier 02

AI Act Setup

ab 6.500 €

Audit plus vollständige Umsetzung der Transparenzpflichten an allen Touchpoints, inklusive Schulungskonzept.

  • Alles aus Tier 01
  • Transparenz Hinweise an allen Touchpoints
  • Prüfung der Metadaten Kette
  • Schulungskonzept nach Artikel 4 für bis zu 15 Mitarbeitende
  • Aktualisierung des Verarbeitungsverzeichnisses
  • Compliance Dokumentation für Prüfungen
Tier 03

Full Compliance

ab 14.500 €

Setup plus laufende Begleitung über zwölf Monate, mit quartalsweisen Updates zu regulatorischen Änderungen.

  • Alles aus Tier 02
  • Quartalsweise Updates zur Rechtslage
  • Laufende Bewertung neuer KI Werkzeuge
  • Vorbereitung auf den 2. Dezember 2026
  • Jährliches Vorbereitungs Audit
  • Ansprechpartner bei Behördenanfragen
Enterprise

AI Governance Framework

ab 25.000 €

Für Konzerne und Small Mid-Caps mit komplexen KI Landschaften, mehreren Standorten und eigenen Hochrisiko Anwendungen nach Anhang III. Wir entwickeln ein Governance Framework, das Datenschutz, AI Act, NIS-2 und ISO 27001 Anforderungen integriert und an die bestehende Compliance Organisation andockt, statt neben ihr zu stehen.

Enterprise Gespräch anfragenAntwort innerhalb eines Werktages
Initialphase

12 bis 16 Wochen bis zum verabschiedeten Framework

Geltungsbereich

Mehrere Standorte und Landesgesellschaften, konsolidierte KI Inventur

Integration

Datenschutz, AI Act, NIS-2 und ISO 27001 in einem Regelwerk

Danach

Laufende Betreuung im Retainer Modell, quartalsweise Reviews

Unsere Angebote richten sich ausschließlich an Unternehmen, Selbstständige und Organisationen, nicht an Verbraucher. Alle Preise sind Nettopreise zuzüglich der jeweils geltenden Umsatzsteuer. Die ab-Preise sind Einstiegspreise; der Endpreis wird im Erstgespräch individuell kalkuliert und hängt vor allem von der Zahl der eingesetzten KI Systeme und der Reife der bestehenden Dokumentation ab.

Kapitel 11

Warum es Angebote ab 499 Euro gibt, und was ihnen fehlt

Seit Anfang 2026 tauchen verstärkt Angebote für AI Act Compliance zu niedrigen dreistelligen Preisen auf. Standardisierte Vorlagen, automatisierte Checklisten, generierte Bewertungen. Solche Angebote sind nicht per se unseriös, sie lösen nur ein anderes Problem als das, das ihr habt.

Was Vorlagen nicht leisten können, ist die Einstufung. Ein Mittelständler mit zwei Chatbots hat andere Pflichten als einer mit zwölf KI Werkzeugen im Vertrieb. Die Risikoklassifizierung ist der Kern der Dokumentation, und sie hängt am konkreten Einsatzzweck, nicht an der Werkzeugkategorie. Eine Vorlage kann diese Unterscheidung nicht treffen, weil sie euren Einsatzzweck nicht kennt.

Was Vorlagen ebenfalls nicht leisten, ist die Metadaten Prüfung. Ob eure Bildpipeline Herkunftsinformationen erhält oder beim Export verwirft, lässt sich nicht aus einem Fragebogen ableiten. Das muss jemand an eurem tatsächlichen Workflow nachvollziehen.

Der ehrliche Vergleich ist also nicht 499 Euro gegen 2.500 Euro. Es ist eine Vorlage gegen eine Bestandsaufnahme. Für Unternehmen mit einem einzigen Chatbot und ohne generative Bildproduktion kann die Vorlage tatsächlich ausreichen. Wer das für sich zutreffend findet, sollte kein Audit kaufen.

Kapitel 12

Wann ihr nicht mit uns arbeiten solltet

Wenn euer Unternehmen Hochrisiko KI Systeme nach Anhang III entwickelt oder in Verkehr bringt, etwa im Recruiting, in der Kreditbewertung oder in kritischen Infrastrukturen, und ihr selbst Anbieter dieser Systeme seid, braucht ihr eine spezialisierte Compliance Beratung mit eigenen technischen Auditoren und Zugang zu benannten Stellen. Das ist nicht unser Kerngeschäft, und der Termin 2. Dezember 2027 ist für euch der relevante, nicht der Dezember 2026.

Wenn ihr eine rechtsverbindliche Auskunft braucht, etwa weil bereits ein Verfahren läuft oder eine Abmahnung vorliegt, gehört das zu einer Kanzlei. Wir bewerten Setups und setzen um, wir erteilen keine Rechtsberatung.

Wenn ihr eine Dokumentation wollt, die im Prüfungsfall gut aussieht, ohne dass sich an eurer Praxis etwas ändert, sind wir die falsche Adresse. Eine Einstufung, die den tatsächlichen Einsatz nicht abbildet, ist im Prüfungsfall schlechter als gar keine, weil sie belegt, dass die Frage gestellt und falsch beantwortet wurde.

Was wir gut können: Marketing Anwendungen bei Mittelstandskunden mit begrenztem oder minimalem Risiko. Chatbots, generative Bild und Textwerkzeuge, Personalisierung, KI gestützte Newsletter. Also den Bereich, in dem sich der Großteil der Marketing KI Nutzung tatsächlich abspielt.

Kapitel 13

Alle Quellen, transparent dokumentiert

Jede Rechtsangabe in diesem Guide ist auf den Verordnungstext oder eine amtliche Veröffentlichung zurückführbar. Marktzahlen stammen aus benannten Branchenstudien und sind mit Erhebungsmethode und Stichprobe ausgewiesen. Preisangaben sind unsere eigene Kalkulation und als solche gekennzeichnet.

Block 1: Rechtsgrundlagen

  • Verordnung (EU) 2024/1689: KI Verordnung, in Kraft seit 1. August 2024. Gestaffelte Anwendung. Veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex CELEX 32024R1689.
  • Verordnung (EU) 2026/1744: Digital-Omnibus-Verordnung zur KI. Verabschiedet am 8. Juli 2026, verkündet am 24. Juli 2026, in Kraft seit 27. Juli 2026. Ändert über 40 Artikel der KI Verordnung. ELI: data.europa.eu/eli/reg/2026/1744/oj.
  • Artikel 99 Sanktionen: Amtliche Fassung über den AI Act Service Desk der Europäischen Kommission. Absatz 3: 35 Millionen Euro oder 7 Prozent. Absatz 4 Buchstabe g: 15 Millionen Euro oder 3 Prozent für Artikel 50. Absatz 5: 7,5 Millionen Euro oder 1 Prozent bei unrichtigen Auskünften. Absatz 6: für KMU der jeweils niedrigere Betrag.
  • Digital Omnibus on AI, Kommissionsvorschlag: Vorgestellt am 19. November 2025. Trilog-Einigung 7. Mai 2026, Annahme durch das Europäische Parlament 16. Juni 2026, Ratsannahme 29. Juni 2026.

Block 2: Aufsicht und Standards

  • Bundesnetzagentur: Vorgesehene nationale Marktaufsichtsbehörde in Deutschland, betreibt bereits einen AI Service Desk. Die förmliche Benennung erfolgt über das nationale Durchführungsgesetz, das zum Redaktionsschluss dieses Guides nicht verabschiedet war.
  • EU AI Office: Aufsicht über Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck. Durch die Digital-Omnibus-Verordnung mit eigenen Ermittlungs-, Inspektions- und Sanktionsbefugnissen ausgestattet.
  • C2PA: Coalition for Content Provenance and Authenticity. Offener Industriestandard für maschinenlesbare Herkunftskennzeichnung, getragen unter anderem von Adobe, Microsoft, OpenAI, BBC und Sony.

Block 3: Marktdaten und Forschung

  • Bitkom, Marketing im digitalen Wandel 2026: Online Befragung von 180 Unternehmen der Digitalbranche aus dem Bitkom Netzwerk, KW 44 bis KW 50 2025, veröffentlicht am 12. Februar 2026. Bitkom weist die Ergebnisse ausdrücklich als nicht repräsentativ aus. 84 Prozent sehen KI als wichtigsten Marketingtrend bis 2027, 51 Prozent nutzen bereits generative KI, 87 Prozent nennen Vertrauensaufbau als Top Marketingziel.
  • Bitkom, Digitalisierung der Wirtschaft 2026: Repräsentative telefonische Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 2 bis KW 6 2026, veröffentlicht am 11. März 2026. 41 Prozent nutzen KI (Vorjahr 17 Prozent), 51 Prozent haben Schwierigkeiten mit der Digitalisierung, 13 Prozent sehen ihre Existenz gefährdet.
  • Lindgaard, G., Fernandes, G., Dudek, C. und Brown, J. (2006): Attention web designers: You have 50 milliseconds to make a good first impression. Behaviour and Information Technology, Vol 25 No 2, Seiten 115 bis 126. DOI 10.1080/01449290500330448. Carleton University Ottawa. Gemessen wurde das ästhetische Urteil, nicht die Glaubwürdigkeit.

Dieser Guide wird bei wesentlichen rechtlichen Neuerungen aktualisiert, insbesondere bei der Verabschiedung des nationalen Durchführungsgesetzes und bei der Verfügbarkeit der harmonisierten Normen CEN-CENELEC JTC 21. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Die zehn Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden

Welche EU AI Act Fristen gelten für Marketing und wann?

Fünf Termine sind für Marketing relevant. Seit 2. Februar 2025 gelten die Verbote nach Artikel 5 und die KI Kompetenzpflicht nach Artikel 4. Seit 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1, also die Kennzeichnung von Chatbots, Deepfakes und Emotionserkennung, und die nationale Marktüberwachung beginnt. Am 2. Dezember 2026 greifen die maschinenlesbare Kennzeichnung nach Artikel 50 Absatz 2 in der durch den Digital Omnibus differenzierten Fassung sowie zwei neue verbotene Praktiken. Am 2. Dezember 2027 folgen die Pflichten für eigenständige Hochrisiko-KI nach Anhang III, am 2. August 2028 für produktintegrierte Systeme nach Anhang I. Für typische Marketing Anwendungen sind die ersten drei Termine entscheidend.

Drohen wirklich 35 Millionen Euro Bußgeld bei Marketing Verstößen?

Nein. Die oft zitierten 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes gelten nach Artikel 99 Absatz 3 ausschließlich für Verstöße gegen Artikel 5, also gegen die verbotenen KI Praktiken. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 sind in Artikel 99 Absatz 4 Buchstabe g ausdrücklich der zweiten Stufe zugeordnet: bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent. Für unrichtige, unvollständige oder irreführende Auskünfte gegenüber Behörden sieht Absatz 5 bis zu 7,5 Millionen Euro oder 1 Prozent vor. Für KMU einschließlich Start-ups gilt nach Absatz 6 jeweils der niedrigere Betrag.

Was ändert sich am 2. Dezember 2026?

Zwei Dinge. Erstens die maschinenlesbare Kennzeichnung KI generierter Inhalte nach Artikel 50 Absatz 2: die Digital-Omnibus-Verordnung staffelt sie nach dem Zeitpunkt, zu dem ein System auf den Markt gekommen ist. Zweitens zwei neue verbotene Praktiken nach Artikel 5: KI Systeme zur Erzeugung nicht einvernehmlicher intimer Abbildungen und zur Erzeugung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern. Beide fallen in die höchste Sanktionsstufe. Für Marketing ist vor allem der erste Punkt relevant, weil er alle Bild und Video Workflows betrifft, in denen generative Werkzeuge eingesetzt werden.

Muss ich KI generierte Texte und Bilder im Marketing kennzeichnen?

Es kommt auf Medium und Zweck an. Artikel 50 Absatz 2 verlangt eine maschinenlesbare Kennzeichnung KI generierter oder bearbeiteter Inhalte in einem Format, das dem Stand der Technik entspricht, etwa C2PA Metadaten. Für Texte greift die sichtbare Offenlegungspflicht, wenn sie der Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse dienen. Für die meisten Marketing Texte wie Produktbeschreibungen, Newsletter und Social Posts greift diese Pflicht nicht direkt. Bei Bildern und Videos ist die Pflicht weiter gefasst, insbesondere bei Deepfakes, also täuschend echten Darstellungen realer Personen, Orte oder Ereignisse. Klar synthetische Illustrationen und abstrakte Grafiken sind geringer belastet.

Was hat sich durch den Digital Omnibus an der KI Kompetenzpflicht geändert?

Artikel 4 wurde nicht gestrichen, sondern neu gefasst. Die ursprüngliche Formulierung verlangte, ein ausreichendes Maß an KI Kompetenz sicherzustellen, was eine Ergebnispflicht ist. Die neue Fassung verlangt, die Entwicklung der KI Kompetenz zu fördern, ohne dass für jede einzelne Person ein bestimmtes Kompetenzniveau garantiert werden muss. Die Pflicht selbst besteht seit dem 2. Februar 2025 fort. Praktisch bedeutet das: ein nachvollziehbares, rollengerechtes Schulungskonzept bleibt sinnvoll und im Prüfungsfall belegbar, aber der Nachweisdruck auf das Ergebnis einzelner Schulungen hat abgenommen.

Brauche ich einen KI Beauftragten in meinem Unternehmen?

Der EU AI Act schreibt keinen formellen KI Beauftragten vor, anders als die Datenschutz-Grundverordnung beim Datenschutzbeauftragten. Sinnvoll ist trotzdem eine benannte Verantwortlichkeit, weil Artikel 4 eine Förderpflicht für KI Kompetenz vorsieht und weil im Prüfungsfall jemand auskunftsfähig sein muss. In der Praxis wird die Rolle häufig beim Datenschutzbeauftragten oder in der Compliance Funktion angedockt.

Gilt der AI Act auch wenn ich ChatGPT, Midjourney oder Claude nur als Tool nutze?

Ja. Der AI Act unterscheidet zwischen Anbietern, also Providern wie OpenAI oder Anthropic, und Betreibern, also Deployern, die KI einsetzen. Die GPAI Pflichten treffen direkt nur die Anbieter der Basismodelle. Als Betreiber tragt ihr eigene Pflichten: KI Kompetenz im Team nach Artikel 4, Transparenzpflichten gegenüber Nutzern nach Artikel 50 und bei Hochrisiko Anwendungen zusätzlich Risikomanagement und Dokumentation nach Artikel 26. Die meisten mittelständischen Unternehmen sind ausschließlich Betreiber.

Wer ist die zuständige Aufsichtsbehörde in Deutschland?

Für die operative Marktaufsicht in Deutschland ist die Bundesnetzagentur vorgesehen. Sie betreibt bereits einen AI Service Desk als Anlaufstelle. Die förmliche Benennung erfolgt über das nationale Durchführungsgesetz. Auf europäischer Ebene beaufsichtigt das EU AI Office die Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck und hat durch die Digital-Omnibus-Verordnung eigene Ermittlungs-, Inspektions- und Sanktionsbefugnisse erhalten. Für Unternehmen im DACH Mittelstand bleibt die nationale Behörde der erste Ansprechpartner.

Was hat der Digital Omnibus tatsächlich verschoben?

Die Verordnung (EU) 2026/1744 ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten und ändert über 40 Artikel der KI Verordnung. Verschoben wurden die Pflichten für Hochrisiko-KI: eigenständige Systeme nach Anhang III auf den 2. Dezember 2027, produktintegrierte Systeme nach Anhang I auf den 2. August 2028. Zusätzlich wurde der Hochrisikobegriff enger gefasst und die Frist für nationale Regulierungssandboxen auf den 2. August 2027 verschoben. Nicht verschoben wurden die Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1. Aus der Schlagzeile, die EU habe die KI Regeln verschoben, folgt für Marketing und Kundenkommunikation kein Aufschub.

Was kostet ein AI Act Audit bei ALVÉRA?

Unser AI Act Marketing Audit startet bei 2.500 Euro für KI Inventur und Risikoklassifizierung. Das Setup mit Transparenz Hinweisen, Schulungskonzept und Aktualisierung des Verarbeitungsverzeichnisses startet bei 6.500 Euro. Die laufende Compliance Begleitung mit Monitoring und quartalsweisen Updates startet bei 14.500 Euro für das erste Jahr. Implementierungen mit eigenem AI Governance Framework starten bei 25.000 Euro. Alle Angaben sind Nettopreise zuzüglich der jeweils geltenden Umsatzsteuer und richten sich ausschließlich an Unternehmen. Der Endpreis hängt von der Zahl der eingesetzten KI Systeme und der Reife der bestehenden Datenschutzdokumentation ab und wird im Erstgespräch kalkuliert.

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In einem 15 minütigen Gespräch klären wir, wo ihr beim EU AI Act steht, welche der anstehenden Fristen euch überhaupt betrifft und welcher Umfang zu eurem Setup passt. Wenn wir merken, dass ihr besser bei einer Kanzlei aufgehoben seid, sagen wir das.

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Über das Team

Das ALVÉRA Team

Performance Solutions, ALVÉRA Global Agency

Das Performance Solutions Team von ALVÉRA Global Agency verantwortet alle Disziplinen rund um Sichtbarkeit, Reichweite und messbare Ergebnisse. Dazu gehören Digital Marketing, SEO, GEO, SEA, Social Media und Marketingmanagement. Mit dem EU AI Act ist Compliance zum festen Bestandteil jeder Marketing Strategie geworden, weshalb ALVÉRA seit Anfang 2026 dedizierte Audit und Setup Services für Mittelstandskunden im DACH Raum anbietet.

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